navBar_bg

Deine neue
Gespannzeitung

Titelbild-Entwurf-neu

 NEU!

WF-Nr1
cover_murmansk

DVD ab sofort lieferbar!

navBar_bg

Kameras in der Kälte - Canon XM2, Canon HV20, Canon FS100

UnsBild1ere Winterfahrt Nordkap – Murmansk mit Motorrädern war von Mitte Februar bis Mitte März geplant. Diese Fahrt wollten wir auch dokumentieren auf Film und Bild. Erfahrungen mit Kameras in der Kälte hatte ich schon vor 11 Jahren auf einer ähnlichen Fahrt gesammelt. Allerdings haben war seinerzeit noch nicht gefilmt sondern nur fotografiert. Die neue Herausforderung war also das Filmen.

Nachdem sich die Canon XM2 schon vor zwei Jahren auf unserer Reise in die Wüsten Marokkos (www.project-yesterdays.de) als sehr robust erwiesen hatte, war diese Kamera auch für diese Fahrt die erste Wahl. Zusätzlich kaufte ich mir noch eine FS 100. Da diese Kamera kein Laufwerk besitzt sondern auf Chip aufzeichnet.

Mein Freund hatte eine HV 20 dabei. Zusätzlich eine alte Canon mit Bandlaufwerk, die er eigentlich aus dem Müll rettete. Die genaue Bezeichnung habe ich mir nie gemerkt. In Marokko hatte uns das Bandlaufwerk Probleme gemacht und sie sollte deswegen entsorgt werden. Meine Einstellung dazu: Und wenn wir nur noch 10 Minuten Film mit dieser Kamera machen können, hat es sich rentiert, sie mitzunehmen.

Dazu gesellten sich vier digitale Fotokameras, zwei Stative, zwei Weitwinkelkonverter, jede Menge Akkus und die dazugehörigen Ladegeräte, ein Zoom H2, eine kleine Kopfleuchte und jede Menge Bänder und Chips.

Alles wurde im Kofferraum des Beiwagens in normalen Fototaschen untergebracht. Für mein Gespann bastelte ich mir eine Stativ-Halterung für eine Manfrotto-Stativ-Säule, so dass ich das Stativ selbst nur selten Auspacken musste. Gleichzeitig brauchte ich ja eine Halterung für die Fahraufnahmen. Bei dem zweiten Gespann montierten wir diverse Kugelköpfe, an denen die Kamera befestigt werden konnte. Im Vorfeld hatten wir Testaufnahmen gemacht und dabei festgestellt, dass man bei niedrigem Reifendruck mit der Bildqualität durchaus zufrieden sein kann. Nur beim Wegfahren oder im Stand stören die Vibrationen.

So ausgerüstet machten wir uns also auf den Weg. Wir hatten alle Wetterbedingungen, die man sich vorstellen kann. Vom heftigen Schneefall über Regen bei Trondheim bis zu minus 30 Grad weiter nördlich.

Die ersten Fahraufnahmen auf das Schiff in Kiel waren ja kein Problem. Es war ja trocken. Auf der Auffahrt in das Rondane-Naturschutzgebiet, also über vereiste und verschneite Straßen, zeigten sich dann die ersten Probleme. Ich hatte ja die Kamera so montiert, dass sie vom Motorrad aus nach hinten gerichtet ist. Das umfangreiche Gepäck erzeugt beim Fahren ja einen Unterdruck und der feine Pulverschnee wird regelrecht von hinten hochgesaugt. Die FS 100 war also binnen kurzer Zeit völlig von Schnee und Eis bedeckt, so dass man alle paar Kilometer anhalten und die Kamera davon befreien musste. Meine Befürchtung, dass deswegen die Funktion beeinträchtigt wird, trat zum Glück nicht ein. Bei der alten Bandkamera meines Freundes, der sie vorn am Beiwagen montiert hatte, war es genau so. Aber wie gesagt, diese Kamera wollten wiBild2r sowieso in den Müll treten und machten uns deswegen keine Sorgen.

Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit bei Trondheim kam es zu einem Phänomen bei dem Weitwinkelvorsatz bei der HV 20. Innen im Vorsatz hatte sich Feuchtigkeit gebildet. Komischerweise war der Fleck nach zwei Tagen wieder weg und tauchte auch nicht wieder auf.

Für die Tage mit Schneefall hatte ich ein Regencape für die XM2 dabei. Leider stellte ich erst zu Hause fest, dass bei automatischer Tonaufnahme und sehr ruhiger Umgebung sich der Schnee beim Auftreffen auf die Plastikschutzhülle anhört wie kleine Explosionen.

Ich hatte große Bedenken, dass durch die Dauerschüttelei auf den Eisstraßen die Kameras irgendwann die weiße Fahne strecken. Dem war aber nicht so. Ich muss der alten XM2 schon ein großes Lob aussprechen. Zuerst übersteht sie 10.000 Kilometer Marokko im Kofferraum eines Gespannes mit Starrahmen, Sandstürme und Regenunwetter und dann auch noch die Tortour dieser Winterfahrt. Auf einer Motorradfahrt kann man nicht immer pfleglich mit dem Material umgehen.

 

Was sich bei den Kameras mit Bandlaufwerk zeigte, war generell der Hinweis der Elektronik auf einen verschmutzten Kopf. Die Reinigungscassette kam durchschnittlich alle zwei Tage zum Einsatz. Ich vermute, dass Eiskristalle den Kopf verschmutzten.

Und dann kam dieser ominöse Tag mit minus 30 Grad. Natürlich wollten wir aufnehmen, wie die Motorräder nicht mehr anspringen, also platzierten wir die Kameras. Sie funktionierten, bis auf etwa eine Minute mit Pixelfehlern bei der XM2. Die Motorräder sprangen nicht an, die Kameras liefen. Na ja.

Die Auffahrt zum Nordkap war ein Desaster. Es hatte Orkanböen, der den Schnee vom Hochplateau in die Fjorde trieb, so dass wir keinen Meter weit mehr sehen konnten. Ich hatte die FS 100 montiert. Die ersten Minuten Aufnahme waren es wert, dass seitdem der Lamellenverschluss des Objektivs nicht mehr schließt. Der Wind treibt den Schnee über die Straße. Es sieht einfach phantastisch aus. Wir haben die Auffahrt an diesem Tag nicht geschafft. Die FS100 hatte sich bis zur Umkehr mit einer dicken Eisschicht überzogen, aber sie filmte noch. Die Aufnahmen wären für einen Experimentalfilm bestimmt brauchbar. Man kann deutlich sehen, wie sich in diesen Minuten die Eisschicht bildet und das Motorrad nur noch wie in einem psychodelischen Film zu sehen ist.

Der defekte Lamellenverschluss beeinträchtigte aber die weitere Funktion der Kamera nicht.

Dass unter solchen Bedingungen etwas kaputt geht, haben wir einkalkuliert. Komischerweise hielt gerade die alte Bandsalat-Canon wacker durch. Der Fehler tauchte nicht mehr auf. Unter diesen Bedingungen haben wir auch zwei Photokameras geschrottet: Lamellenverschluss des Objektivs und/oder die Zoomfunktions funktionierte nicht mehr einwandfrei.

Bild3

 

 

 

Hier meinten die Frauen, ich muss gegen aggressive Eisbären geschützt werden!!

 

Wie schon kurz erwähnt wurden die Kameras in Phototaschen im Kofferraum des Beiwagens transportiert. Nur die FS100 hatte sich sozusagen als Schnellschusskamera am Mann. Sie war dadurch den meisten Temperaturschwankungen ausgesetzt. Sie funktionierte aber bis zum Schluss (abgesehen vom Lamellenverschluß) tadellos. Die Bandkameras beließen wir überwiegend in der Kälte und versuchten, Temperaturschwankungen wegen der Kondenswasserbildung soweit wie möglich zu vermeiden. Wenn wir sie dennoch in Hotelzimmer oder beheizte Hütten mitnahmen, so öffnete ich erst nach etwa zwei Stunden die Transporttasche etwas und nahm sie erst nach weiteren ein bis zwei Stunden aus der Tasche. Die Kamera hatte sich dann doch weitgehend an die Temperatur des Raumes angeglichen, so dass keine Kondenswasserbildung zu befürchten war. Das war wohl der Hauptgrund, dass alle Filmkameras bis zum Ende der Reise funktionierten.

Das größte Problem waren eigentlich nicht technischer sondern psychischer Natur. Sicher kann man nicht nach jeder Kurve anhalten und filmen, weil gerade die Landschaft so toll ist. Und wenn, dann käme nach der nächsten Kurve garantiert ein noch schöneres Motiv. Dann hat man auch nicht immer gerade Lust, die Kamera auszupacken, wenn man schon sechs oder acht Stunden unterwegs gewesen ist, dazu noch hungrig ist und friert. Dennoch haben wir über 16 Stunden Filmmaterial und über 3500 Bilder mitgebracht, über deren Auswertung und Verarbeitung ich immer noch sitze.

Ich habe auf dieser Fahrt wieder sehr viel gelernt. Wir haben alle Fehler gemacht, die man nur machen kann, aber dennoch fantastische Bilder heimgebracht, die den Fortgang der Reise sehr gut dokumentieren.

All jene Tipps, die zu diesem Thema schon gegeben wurden und jene, die ich beschrieben habe, sollte man im Winter schon berücksichtigen. Das wichtigste ist aber meiner Meinung nach eine zweite Person, die gerade in Situationen die Kamera „draufhält“, in denen man ganz andere Sorgen hat. Als die Reise an einem defekten Zündmodul zu scheitern drohte, haben das unsere Frauen gemacht. So haben wir diese Schwierigkeiten und deren Lösung jetzt auf Band – denn solche Szenen sind nicht wiederholbar. So wie überhaupt fast alle Szenen auf so einer Reise nicht wiederholbar sind. Man muss sich eine ganz andere Arbeitsweise angewöhnen. Aber das ist ein anderes Thema.

 

BuiltWithNOF
navBar_bg